1. Netzwerkkurs für Geschäftsstellen und Ausbildungsverantwortliche in den Betrieben

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Der Kurs, den das Netzwerk Kleinstberufe in Zusammenarbeit mit dem EHB realisiert hat, fand im BZZ Zofingen statt. Erfreulicherweise war er gut besucht und alle Teilnehmenden sehr interessiert. Wir starteten völlig ahnungslos in das Thema Lehrlingsauswahl und wurden zu Profis gemacht. Die drei Referenten waren professionell vorbereitet, es wurde nie langweilig und hatte doch Raum für Fragen. Auch wer nicht direkt an der Selektion der Lernenden beteiligt ist, kann nun betroffene Betriebe über Beratungsmöglichkeiten informieren, und auch als Eltern hat man an Verständnis gewonnen.

Als Geschäftsstellenleiterin der IG Kunsthandwerk Holz durfte ich diesen Kurs besuchen und dafür sogar eine wichtige Vorstandssitzung schwänzen. Meine junge Familie habe ich kurzerhand mit nach Zofingen verschleppt, die einen kurzweiligen Tag im Wildpark Heitern verbracht hat. Aber nun zu den eigentlichen Dingen:

Am meisten beeindruckt hat mich nicht die Erkenntnis, dass man im üblichen Lehrlingsalter mitten in der Pubertät steckt, sondern dass das Gehirn in dieser Zeit schwerwiegende Veränderungen durchmacht. Die jungen Menschen sind dann sehr emotional und der Rest läuft in dieser wichtigen Zeit eigentlich nur auf Halbmast. Obwohl ich vor noch nicht allzu langer Zeit in diesem Alter zwei Ausbildungen absolviert habe, war mir dies überhaupt nicht bewusst. Ich habe jetzt viel mehr Verständnis für die jungen Leute. Des Weiteren hat auch die Familie und das Umfeld der Lernenden einen sehr hohen Stellenwert in dieser Zeit und die eigentliche Lehre läuft halt noch so nebenbei. Dies allerdings weiss ich noch gut aus meiner Zeit, und auch, dass man mit dieser Einstellung bestimmt niemanden verärgern will – sondern meint, das sei das Normalste der Welt.

Wir wurden auch ausführlich über Fördermöglichkeiten bei Schwierigkeiten während der Lehre informiert. Dies war für mich auch alles neu – wirklich noch nie gehört. Selbst in Meiringen soll es zum Beispiel Stützkurse geben, und nicht nur für schwache Schüler. Eben dort, in Meiringen  war die Berufsschule meiner ersten Ausbildung zur Kauffrau. Ich finde es sehr wichtig, dass man sich als Ausbildner über solche Angebote informiert, die bestimmt vielen schon mal helfen können.

Zur eigentlichen Auswahl der Lernenden haben wir viele Informationen und Tipps erhalten. Nur ein Beispiel: Auch Schweizer haben Sprachprobleme, und von den Bewerbungsfotos wird man oftmals irregeführt. Die Selektion ist sehr umfangreich und kann hier nicht in ein paar Zeilen dargelegt werden – es lohnt sich bestimmt für jeden Ausbildner, einen solchen Kurs zu besuchen!

Wichtig finde ich auch, dass man einem vielleicht unreiferen jungen Menschen ein Zwischenjahr vor dem Lehrbeginn vorschlagen könnte. Man sollte den zukünftigen Lernenden aber bei der Organisation unterstützten. Zu meiner Zeit hatten die Zwischenjahre in der Region einen sehr schlechten Ruf, weshalb die niemand antreten wollte. Ein Zwischenjahr in einer anderen Sprachregion fände ich sehr sinnvoll.

Die Rahmenbedingungen, beispielweise wenn der Lehrbetrieb in einer anderen Region ist, sind sehr wichtig. Unterstützung bei der Wohnungssuche, Verpflegung und Freizeit sind vom Betrieb gefordert; dies ist keine Geling-Garantie, trägt aber sehr viel dazu bei!

Fazit: Der Kurs war ein Gewinn für alle Teilnehmenden.

Beatrice Werlen-Lucek, IG Kunsthandwerk Holz

Bericht aus dem Newsletter Nr. 3