Informationsaustausch Deutschland – Schweiz

Désolé, cet article est seulement disponible en Allemand.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) ist das anerkannte Kompe­tenz­zentrum zur Erforschung und Weiter­ent­wick­lung der beruflichen Aus- und Weiter­bildung in Deutschland. Auf dessen Ein­ladung traf sich unsere Dele­gation aus der Schweiz am 21.März in Bonn mit einer Gruppe ent­spre­chender Fach­per­sonen aus Deutschland zu einem Informations­austausch über Kleinst­berufe.

Aus Deutschland nahmen 9 Personen teil. Vertreten waren das BIBB, die Kleinstberufe sowie der Deutsche Gewerkschaftsbund. Unsere Delegation bestand aus 2 Vertretern des Eidgenössischen Hochschulinstituts für Berufsbildung (EHB) und 3 Vertretern von Kleinstberufen.

Unter dem Motto „Klein aber fein – Ausbildung in traditionsreichen Nischenberufen“ waren folgende Themen auf der Tagesordnung:

Wann sprechen wir von Kleinstberufen oder Nischenberufen?
Umgang mit Kleinstberufen in verschiedenen Berufsbildungssystemen: Ein Blick auf die Berufsbildungssysteme in der Schweiz und in Deutschland
Netzwerkarbeit zu Kleinstberufen in der Schweiz

  • Kleinstberufe werden in Deutschland auch als Nischen- oder Splitterberufe bezeichnet. Eine Bezeichnung, die sich auf eine verbindliche Definition abstützt (z.B. bezogen auf die Anzahl der Lernenden oder die Art der Produkte), gibt es auch in unserem nördlichen Nachbarland zurzeit noch nicht. Im Rahmen des Projekts „Tragfähiges Netzwerk für Kleinstberufe“ ist eine begriffliche Klärung des Ausdrucks jetzt aber in Erarbeitung.

Die beiden dualen Berufsbildungssysteme scheinen auf den ersten Blick sehr ähnlich zu funktionieren. In der Diskussion zeigten sich aber in den Prozessen zur Umsetzung gewichtige Unterschiede; dies vor allem beim Einbezug der verschiedenen Akteure sowie in der Form ihrer Zusammenarbeit.

Wir praktizieren in der Schweiz eine Verbundpartnerschaft, die relativ gut funktioniert, und profitieren als Kleinstberufe vom Privileg einer Parlamentariergruppe zu unserer Unterstützung. Das schweizerische Berufsbildungsgesetz bietet uns zudem mit den Artikeln 54 und 55 Möglichkeiten für Beiträge des Bundes an Projekte zur Entwicklung der Berufsbildung, zur Qualitätsentwicklung sowie für besondere Leistungen im öffentlichen Interesse. Nach Aussage der Tagungsteilnehmenden gibt es in Deutschland keine vergleichbaren Gesetzesartikel. Auch die mehrsprachige Ausbildung von Klassen, die bei unseren Kleinstberufen mit dem Einzugsgebiet aus verschiedenen Sprachregionen eine gewaltige Herausforderung darstellt, ist in Deutschland natürlich kein Thema. Für die Diskussion fehlten daher vergleichbare Projekte von Nischen- oder Splitterberufen aus Deutschland.

Obschon der Austausch durch diese Ausgangslage teilweise etwas einseitig verlaufen musste, war er für uns nicht weniger bereichernd. Das Treffen fand in einer offenen und konstruktiven Atmosphäre statt. Es bestätigte uns in der Zuversicht, mit dem Projekt „Tragfähiges Netzwerk für Kleinstberufe“ auf dem richtigen Weg zu sein. Überdies wurde uns wieder einmal bewusst, dass die Schweizerische Berufsbildung, die solche Projekte ermöglicht und fördert, eigentlich gut funktioniert und sehr innovativ sein kann.

In einem nahegelegenen Parkrestaurant wurde der Anlass in angeregten Gesprächen mit einem gemeinsamen Abendessen abgeschlossen.

Auf allgemeinen Wunsch sollen die grenzüberschreitenden Kontakte weiter gepflegt werden. Unter anderem werden Gäste aus Deutschland am 1. September 2016 an unserer 5. Tagung für Kleinstberufe teilnehmen. Wir freuen uns auf die weiteren Begegnungen!

Walter Leist, Mitglied der Delegation